Wahrnehmungsstörung

Bei vielen Kindern mit Lernproblemen tauchen die Begriffe „Wahrnehmungsstörung“ oder „sensorische Integrationsstörung“ auf. Was ist damit gemeint? Jeder über unser Sinnessystem aufgenommene Eindruck ist eine „Wahrnehmung“, die das Gehirn verarbeiten muss. Kommt es in der Entwicklung eines Kindes in einem speziellen Bereich zu einer mangelnden Verarbeitung des Sinneseindruckes, spricht man von einer „Wahrnehmungsstörung“ oder auch  „Wahrnehmungsverarbeitungsstörung“. Da wir verschiedene Sinneskanäle haben, unterscheiden wir in

  • Visuelle (Seh-) Wahrnehmungsstörung
  • Visuo-konstruktive (räumliche) Wahrnehmungsstörung
  • Auditive (Hör-) Wahrnehmungsstörung
  • Taktile (Berührungs,- Körper-) Wahrnehmungsstörung

Die Sinnesorgane sind nicht beeinträchtigt

Bei einem Kind, welches unter Wahrnehmungsstörungen leidet, sind die Sinnesorgane selbst oft nicht beeinträchtigt. Seh- oder Hörvermögen ist in der Regel ebenso gut ausgebildet wie bei anderen Kindern, müssen aber zunächst beim Ohren- oder Augenarzt überprüft werden.

Visuelle Wahrnehmungsstörung

Kinder mit visuellen Verarbeitungsstörungen haben ein normales Sehvermögen, können jedoch die aufgenommen Sinneseindrücke nicht so gut wie andere Kinder verarbeiten bzw. Ihnen die richtige Bedeutung zuordnen.

Beispiele:

  • das Lesen fällt Ihnen schwer ( Buchstaben oft seitenverkehrt)
  • motorisch ungeschickt und fallen bereits im Kindergarten dadurch auf, dass sie nicht malen, schneiden oder basteln mögen.
  • Probleme in der Graphomotorik, schlechte feinmotorische Fähigkeit oder Probleme in der  Auge-Hand-Koordination und somit schlechte Handschrift, bleibt beim Schreiben nicht in den Linien

Visuo-konstruktive Wahrnehmungsstörung

Kinder mit Störungen der  visuo-konstruktiven  Wahrnehmung  haben Schwierigkeiten, die räumliche Lage eines Gegenstands zu erfassen oder räumlich zu denken.

Beispiele:

  • Der Schulweg muss oft geübt werden und kann nicht rekonstruiert werden
  • Kinder malen ungern und haben Schwierigkeiten beim Ausschneiden, Basteln oder Lego spielen
  • Das Nachzeichnen von einfachen Objekten gelingt nur schwer
  • Konstruktive Spiele (Lego, Bausteine, Puzzle) werden vermieden

Auditive Wahrnehmungsstörung

Kinder, die an einer auditiven Wahrnehmungsstörung leiden, haben Schwierigkeiten, verschiedenste Geräusche richtig einzuordnen oder Laute zu unterscheiden (akustische Trennschärfe)

Beispiele:

  • Störungen beim Erlernen von Sprache
  • Probleme in der Rechtschreibung

Taktile Wahrnehmungsstörung

Kinder, die Schwierigkeiten in der Körperwahrnehmung aufweisen, bemerken beispielsweise nicht, wenn es ihnen zu heiß oder zu kalt ist. Oder sie nehmen auch im Grundschulalter noch nicht wahr, wenn ihre Nase läuft und der Griff zum Taschentuch notwendig wäre.

Beispiele:

  • Häufige Stürze, dabei mangelnde Schmerzempfindung
  • Taktile Überempfindlichkeit, kann Berührung schlecht aushalten
  • Kann bestimmte Kleidung oder Kleidungsstoffe nicht am Körper tragen

Welche Therapie

Folgende  therapeutische Konzepte werden angewandt:
Sensorische Integrationstherapie, Psychomotorik, Förderung der Fein- und Graphomotorik, der Körperwahrnehmung und der motorischen Geschicklichkeit, Übung von Handlungsabläufen bei Alltagstätigkeiten in der Familie und im Kindergarten/in der Schule, Wahrnehmungsförderung nach Affolter.
Meist führen Ergotherapeuten, Heilpädagogen oder Physiotherapeuten mit Zusatzausbildung die Behandlung aus. Die Therapie findet im Einzel- oder Gruppensetting statt und sollte auch immer auch eine Elternbegleitung mit einschließen.

Kosten für Diagnostik und Therapie

In der Regel werden die Kosten von der Krankenversicherung übernommen.